Matera in der Basilikata – Italiens Höhlenstadt als Filmkulisse
Es gibt Orte, die wirken nicht real, sondern wie eine Kulisse. Wer Matera besuchen möchte, erlebt genau das: Höhlenwohnungen, die sich amphitheatralisch an Felsen schmiegen, eine der ältesten bewohnten Siedlungen der Welt, UNESCO-Welterbe und Filmset zugleich. Matera in der Basilikata ist das unglaublichste Italien, das die meisten Reisenden nie einplanen – und genau deshalb lieben Regisseure die Stadt: Sie muss für nichts herhalten. Sie ist bereits die Kulisse.
Die Sassi – Wohnen in Felsen
Bis in die 1950er-Jahre lebten Familien mit ihren Tieren in den Höhlen. Dunkel, feucht, ohne Wasser oder Strom. Erst ein staatliches Umsiedlungsprogramm beendete diese Zustände, nachdem die Sassi jahrzehntelang als „Schande Italiens“ galten. Heute sind viele Sassi restauriert – als Boutique-Hotels, Restaurants oder kleine Museen. Genau diese unwirkliche Mischung aus Armut, Zeitlosigkeit und archaischer Architektur ist es, die Kamerateams aus aller Welt anzieht: Kein Set-Designer könnte erschaffen, was hier über Jahrtausende gewachsen ist.
Die zwei Hauptviertel unterscheiden sich dabei deutlich: Sasso Barisano ist offener, touristisch erschlossen und bei Sonnenuntergang golden beleuchtet. Sasso Caveoso wirkt dagegen roher und ursprünglicher – hier drehte auch Mel Gibson einige der eindringlichsten Szenen seines Films.
Kirchen und Klöster in den Felsen
Über 150 Felsenkirchen durchziehen Matera. Fresken, die Jahrhunderte überdauert haben, erzählen Geschichten vom frühen Christentum. Besonders sehenswert: die Kirche Santa Maria de Idris, halb Fels, halb Bauwerk, mit Blick über die gesamte Stadt. Diese sakrale, fast biblisch wirkende Architektur ist der Grund, warum Matera gleich mehrfach als Bühne für Geschichten aus der Antike und dem Nahen Osten diente – kein anderer Ort in Europa versetzt Kamera und Zuschauer so mühelos ins Jerusalem vor 2.000 Jahren.
Matera als Filmkulisse
Hollywood liebt Matera – und das schon länger, als viele denken. Bereits 1964 drehte Pier Paolo Pasolini hier „Das 1. Evangelium – Matthäus“ und machte die Stadt damit zum ersten Mal international als Bibel-Kulisse bekannt. Mel Gibson griff das 2004 mit „Die Passion Christi“ wieder auf und ließ die Sassi zu Jerusalem werden. 2016 folgte „Ben-Hur“, ebenfalls mit biblischem Setting.
Doch Matera kann mehr als Antike: 2020 jagte James Bond in „No Time to Die“ durch die engen Gassen und über die Dächer der Sassi – eine der aufwendigsten Verfolgungsjagden der Bond-Reihe, gedreht mitten im historischen Zentrum. Auch „Wonder Woman“ (2017) nutzte die Kulisse für ihre mythologische Insel-Szenerie. Und wer durch die Stadt spaziert, findet an mehreren Stellen kleine Hinweistafeln, die genau zeigen, welche Filmszene wo entstand – ein eigener kleiner „Film-Spaziergang“ lässt sich daraus zusammenstellen, von den Kirchen im Sasso Caveoso bis zur Piazza San Pietro Caveoso, einem der meistfotografierten Bond-Drehorte.
Kulturhauptstadt & Aufbruch
2019 war Matera Europäische Kulturhauptstadt – auch das ein Effekt der wachsenden Bekanntheit durch den Film. Seitdem hat sich die Stadt neu erfunden – zwischen Authentizität und Tourismus. Kleine Galerien, Cafés und Kunsthandwerk beleben die Sassi. Wo früher Kamerateams und Statisten durch die Gassen zogen, sitzen heute Besucher aus aller Welt in umgebauten Höhlen-Cafés und blicken auf dieselben Fassaden, die sie aus dem Kino kennen.
Anreise und beste Reisezeit
Matera liegt ohne eigenen Bahnanschluss etwas abseits der klassischen Routen – das hat die Stadt lange vor Massentourismus geschützt. Der nächstgelegene Flughafen ist Bari (ca. 1 Stunde mit dem Auto oder Bus), von dort verkehren auch Regionalzüge und Busse direkt nach Matera. Wer selbst fährt, sollte wissen: Das historische Zentrum ist autofrei, Parkplätze gibt es am Rand der Sassi.
Am eindrucksvollsten zeigt sich die Stadt bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang, wenn das Licht die Höhlenfassaden golden bis rötlich färbt – genau das Licht, das auch in vielen Filmszenen genutzt wurde. Im Hochsommer wird es in den Sassi durch die Steinbauweise sehr heiß; Frühling und Herbst eignen sich am besten für ausgedehnte Spaziergänge.
Tipps für den Besuch
- Übernachten in einem Sassi-Hotel – ein Erlebnis für sich, oft in denselben Höhlen, die schon im Film zu sehen waren.
- Sonnenuntergang vom Belvedere Murgia Timone – Blick auf Matera wie ein Gemälde, eines der bekanntesten Fotomotive und Filmpanoramen der Stadt.
- Ein geführter Rundgang lohnt sich, um die Film-Drehorte gezielt zu finden – viele liegen versteckt in den verwinkelten Gassen und sind ohne Hinweis kaum zu entdecken.
- Lokale Spezialitäten probieren: Pane di Matera (Brot mit geschützter Herkunftsbezeichnung), Peperoni Cruschi (knusprige Paprika).
Fazit: Ein Ort wie kein anderer
Matera ist Italiens surrealste Stadt – und doch ganz real. Ein Ort, der sich aus Armut erhoben hat, heute glänzt und gleichzeitig Geschichte bewahrt. Dass ausgerechnet diese einst als rückständig verschriene Stadt heute die Kulisse für Bibelfilme und Bond-Blockbuster liefert, macht die Geschichte Materas noch eindrücklicher. Wer Süditalien bereist, darf Matera nicht verpassen.
Wer noch tiefer in die Geschichte und Kultur der Höhlenstadt eintauchen möchte, findet auf matera.info weiterführende Informationen zu Sehenswürdigkeiten, Anreise und den besten Vierteln für einen Besuch.
